Wir Juden kämpften für Preußen

1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich, 1870/71 gegen Frankreich, in vielen Kriegen auch gegen jüdische Soldaten der preußischen Kriegsgegner und immer gegen Vorurteile, die unseren Aufstieg in den Rängen erschwerten.

 

Vielleicht zwingen eben solche Blockaden zu besonderen Leistungen, wie sie Major Meno Burg zeigte. Bei seinen Kameraden beliebt, musste er Jahre übler  Diskriminierung durch die militärische Elite durchstehen. Die Berufung zum königlich-preußischen Major der Artillerie verdankte er schließlich seinen herausragenden strategischen, taktischen und technischen Leistungen.

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Major Meno Burg

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Zehntausende patriotischer deutscher Juden nahmen freiwillig an den Kriegen gegen Napoleon teil. Bei der allgemeinen Mobilisierung veröffentlichte die jüdische Gemeinde in Berlin diesen Aufruf:

 

„Wer von euch edlen, großherzigen Jünglingen denkt und fühlt in diesem Augenblick nicht ebenso wie David. Wer hört ihn nicht mit Freuden, diesen ehrenvollen Ruf, für das Vaterland zu fechten und zu siegen, wem schlägt das Herz nicht hoch empor bei dem Gedanken, das Feld der Ehre zu betreten?"

Gedenktuch an den  jüdischen Feldgottesdienst im Lager Metz 1870 (Stadtmuseum Köln)

Unfair war allerdings das Ende der Kriege gegen Napoleon für die jüdischen Soldaten. Kaum waren die Kämpfe beendet, wurden ihnen die im Krieg verliehenen Bürgerrechte wieder genommen.

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König Friedrich Wilhelm IV verlieh am 18. 08.1852 diese Ehrenurkunde dem jüdischen Soldaten Hermann Hirschberg.

Inschrift: "Seinen bis in den Tod getreuen Kriegern."

Heute weiß jeder, wie sinnlos und vermeidbar der 1. Weltkrieg war.

Damals eilten wir wie besessen zu den Fahnen des Kaisers.  

Und so sah es aus:

500.000 Juden in Deutschland. 98.000 dienten in der Reichswehr, 85.000 kämpften  an  den  Fronten, 

21.000 wurden zum Unteroffizier oder Offizier befördert, trotz der „üblichen“ Widerstände und über 35.000 erhielten Orden oder andere Ehrenzeichen, darunter 30.000 Tapferkeitsmedaillen.

12.000 fielen für Deutschland.

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Ostfront 1916. Chanukkah-Feier jüdischer Soldaten.

Ein Beispiel im Beispiel 

Die Kleine Gemeinde Rexingen:

Ein Drittel jüdische Bewohner.  Aber 105 von 223 Soldaten aus Rexingen waren Juden. Zudem hatten die jüdischen Familien in der Regel weniger Kinder als der Durchschnitt. Unser Blutzoll fürDeutschland im 1. Weltkrieg  überproportional hoch.

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Einer von 12.000

gefallenen jüdischen Soldaten. Otto Rothmann meldete sich mit 18 freiwillig. Im ersten Kriegsjahr  fiel er in Frankreich. 

 

Ottos Vater diente 1876/77 als Freiwilliger, sein Großvater war Sanitätsarzt in den preußischen Kriegen 1864, 1866 und 1870/71

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Einer von 40

jüdischen Schülern des König Wilhelm Gymnasium in Höxter, die sich gleich bei Kriegsbeginn freiwillig meldeten.

 

Walter Dalberg. Fiel am 23.9.1915 als Gefreiter des Infanterie-Regiments 55 bei Richebourg-Neuve Chapelle in Nordfrankreich.

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Einer von 30.000

jüdischen Soldaten, die für ihre Tapferkeit ausgezeichnet wurden: Ernst Moritz Hess, Freiwilliger und Offizier des 2. Königlich-Bayerischen Infanterieregiments. Kämpfte in Flandern und wurde mehrmals verwundet.

Zu seinen Untergebenen gehörte der Gefreite Melder  Adolf Hitler. Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde Ernst Moritz Hess ins KZ deportiert. Hitler befahl, ihn nicht zu töten.

Der vertikale Zweifrontenkrieg der jüdischen Piloten.

In der Luft kämpften jüdische Piloten erfolgreich gegen feindliche Flugzeuge. Am Boden kämpften sie erfolglos gegen den Antisemitismus des militärischen Establishments: Die 135 jüdischen Piloten des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg.

Mit Intrigen und bürokratischen Blockaden erschwerte das oft adlige Offizierskorps die Karriere jüdischer Piloten im 1. Weltkrieg. Zum dumpfen antisemitischen Motiv kamen die vermeintliche Bedrohung der eigenen Exklusivität und Neid. Die jüdischen Piloten waren in Luftkämpfen überdurchschnittlich siegreich, wurden rasch befördert und erhielten viele Orden.

 

Vier von 135 jüdischen Piloten:

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Friedrich Rüdenberg. Erhielt das Eiserne Kreuz für herausragenden Einsätze . In der „Jagdstaffel 10“ flog Rüdenberg unter dem Kommando Manfred von Richthofens.

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Wilhelm Frankl. Nach seinem achten Abschuss erhielt er den höchsten preußischen Orden Pour le Mérite. Anfang 1917 kommandierte er eine Jagdstaffel. Frankl fiel im Luftkampf am 8. April 1917. Die Nazis zerstörten seinen Gedenkstein. Heute ist eine Kaserne der Bundeswehr nach ihm benannt.

Fritz Beckhardt erzielte beim Jagdgeschwader III 17 Abschüsse. Für seine Tapferkeit in den Luftkämpfen erhielt er die seltene Auszeichnung "Inhaberkreuz vom Königlichen Hausorden der Hohenzollern mit Schwertern" verliehen, die insgesamt nur 18 Mal vergeben wurde. Weitere Orden:

Eisernes Kreuz II. und I. Klasse, Hessische Tapferkeitsmedaille, Krieger-Ehrenzeichen in Eisen,  Badisches Kriegsverdienstkreuz, Ehrenkreuz für Frontkämpfer.

Verwundetenabzeichen  in Schwarz, Bayerischer Militärverdienstkreuz III. Klasse, Preußisches Abzeichen für Militär-Flugzeugführer, Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampf.

Ja, man sieht richtig. Fritz Beckhardt malte auf seine Maschine ein Hakenkreuz. Damals ein unverfängliches Symbol.

(Friedrich Rüdenberg  mit seiner „Pfalz D III.“

1936 löschten die Nazis seinen Namen in einer Denkschrift über die Träger des Inhaberkreuzes. 1938 deportierten sie ihn ins KZ Buchenwald. 1940 konnte er entkommen und mit seiner Familie nach England fliehen.

Oder Edmund Nathanael: Erhielt nach 15 Siegen in Luftkämpfen den "Königlichen Hausorden der Hohenzollern mit Schwertern" für herausragende Tapferkeit. Ihm gelang mit waghalsigen Manövern der erste Abschuss einer britischen SE-5, damals eines der schnellsten Flugzeuge, den deutschen Albatros D.III , Pfalz D.III und Fokker Dr.I. überlegen. 11.05.1917 wurde Edmund Nathanael im Luftkampf tödlich verwundet und stürzte ab. Die Nazis löschten seinen Namen aus allen offiziellen Dokumenten.

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