Wir Juden im Himmel: Pioniere und Piloten
Natürlich hat uns der Himmel gereizt und wir waren von Anfang an dabei, als die Menschheit in die Luft ging. Zu den jüdischen Pionieren der Luftfahrt gehörten:
Lena Bernstein
In Deutschland geboren, in Frankreich lebend. 1930 brach sie den "Ein-Pilot"-Weltrekord im Langstrecken-Flug aller Flugzeugtypen.

Arthur Welsh
Amerikanischer Flugpionier, Testpilot und Fluglehrer im Unternehmen der Gebrüder Wright. Arthur Welsh hielt mehrere Dauerflug-Rekorde und gewann mehrere Piloten-Wettbewerbe. 1912 stürzte er bei einem Trainingsflug tödlich ab.


Lily Steinschneider
Schwägerin von Graf Coudenhove-Kalergi, dem Vordenker der europäischen Integration. 1912 erwarb Lily Steinschneider als erste Frau Österreich-Ungarns den Pilotenschein. Ihre Flüge schufen Akzeptanz gegenüber weiblichen Piloten. Mit ihren männlichen Partnern gewann sie mehrere Wettbewerbe in der Disziplin Zeitflug.

Marcel Dassault
Der geniale Ingenieur begann seine Luftfahrtkarriere als einer der ersten Luftfahrt-Studenten Frankreichs. Im 1.Weltkrieg entwickelte er einen effizienten Holzpropeller. Dassault gilt als Vater der französischen Luftfahrt. Er entwarf und produzierte die legendären Düsenjets Mystere und Mirage.

Und die Pioniere hinter den Kulissen:
Dassaults Eclair Propeller mit überlegenen aerodynamischen Eigenschaften

Theodore Kármán
Entwickelte die moderne Aerodynamik, ohne die es damals keinen Fortschritt in der Luft- und Raumfahrt gegeben hätte.
1934 zwangen ihn die Nazis zur Emigration. Theodore Kármán galt weltweit als führender Forscher für Strömungstechnik. Hermann Göring wollte ihn aus den USA zurückholen, Kármán lehnte ab.
Für die k.u.k.-Armee entwickelte Theodore Kármán im 1. Weltkrieg mit seinen Kollegen einen Hybrid-Helikopter.
Dieser "Schraubenfesselflieger" diente zur Aufklärung feindlicher Linien.


David Schwarz
Der Autodidakt verfolgte gegen viele Widerstände unbeirrt den Traum vom schwerelosen Fliegen. Dieser Traum ging 1895 mit seinem Aluminium-Luftschiff in Erfüllung.
Graf Zeppelin erwarb von der Witwe des 1897 verstorbenen Visionärs die Konstruktionsunterlagen.


Die Entdeckung der Stratosphäre ist das Verdienst des waghalsigen Meteorologen Artur Berson.
1894 stieg er mit einem offenen Ballon auf damals sensationelle 9.150 Meter. 1899 schaffte er 10.500 Meter – bis heute Weltrekord. Zwar wurde er in der dünnen Luft ohnmächtig, erlangte aber beim Absturz des Ballons rechtzeitig wieder das Bewusstsein und konnte sicher landen.

Seine lebensgefährlichen Experimente waren von unschätzbarer Bedeutung für die Aerologie. 1908 führte er Experimente in Ostafrika durch, die zu wichtigen klimatologischen Erkenntnissen führten.
Josef Popper
Der Universalgelehrte und Sozialphilosoph erfand 1867 eine automatische Dampfkesselreinigung, 1889 einen Oberflächenkondensator, 1891 einen Luftkühlapparat und bewies die technische Machbarkeit, Elektrizität über Fernleitungen zu transportieren.
Warum gilt er aber als Pionier der Luftfahrt?
1896 entwickelte er flugtechnische Studien mit zentralen Prinzipien zur Überwindung von Luftwiderstand.

Auch unkonventionelle Denker


Henry Berliner.
Mit seinem hyperkreativen und berühmten Vater Emile Berliner entwickelte er einen Hybrid-Hubschrauber mit dreifachem Flügelpaar. Das Experiment erbrachte fundamentale Erkenntnisse für die Entwicklung weiterer Typen.

Vsevolod Abramovich
Ursprünglich erster Testpilot der Gebrüder Wright. Baute 1912 sein eigenes Flugzeug, mit dem er den Weltrekord im Höhenflug aufstellte.
Hier mit seiner Freundin, der Fürstin Schakowskoy. Abramovich starb beim Absturz eines Fluges, der von der Fürstin gesteuert wurde.
In Italien machte sich Leonino da Zara um die Entstehung der zivilen Luftfahrt verdient. 1909 eröffnete er in Ronchi den ersten Flughafen Italiens, 1910 wurde er Präsident des Italian Aero Club und organisierte den ersten Geschwindigkeits-Wettbewerb.


Hier mit seiner Miller-Aerocurvo beim Wettbewerb 1909 in Brescia
Leonino da Zara in seinem "Farman"
Karl Arnstein
Leichtbauweise, Statik und Materialstress: Auf diesen Gebieten war Karl Arnstein führend. So führend und so unersetzlich, dass Graf Zeppelin ihn 1915 von der Front holte und ihn zum Chefingenieur der Luftschiffbau Zeppelin GmbH machte.
Nach dem Hitlerputsch 1923 ging Arnstein in die USA, wurde leitender Ingenieur bei der Goodyear Zeppelin Corporation, später Chef der Goodyear Aircraft Corporation.
Nebenher entwickelte er Stratosphärenballons, Ultraleichthubschrauber, Wasserflugzeuge, die Corsair-Kampfflugzeuge und Stromlinienzüge.

Karl Arnstein (links) bei der Übergabe eines neuen Luftschiff-Modells an die US Navy

Die berühmte "Byrd-Expedition" 1928-1930 sollte per Flugzeug den Südpol erforschen. Zum Team gehörte der Flugmechaniker Master Sergeant Benjamin Roth. Mehrfach riskierte er sein Leben, um die Expedition zu retten. Für seine Tapferkeit unter Lebensgefahr wurde er mit der "Soldaten-Helden-Medaille" ausgezeichnet.

Mit einem Luftschiff führte der Mailänder Professor Aldo Pontremoli 1928 Experimente am Nordpol durch, um das Magnetfeld der Erde zu erforschen. Dafür konstruierte er eigene Messgeräte.

Aldo Pontremoli's Luftschiff. Gut zu erkennen der Name des Luftschiffes, Ausdruck des damaligen Nationalismus in Italien.

Aldo Pontremoli, links, mit einem Kollegen und einem seiner Messgeräte.
Ein erstrangiger und leidenschaftlicher Pionier des Segelflugs war Robert Kronfeld. 1928 gewann er den Rhön-Dauerflug-Wettbewerb, 1929 schaffte er als erster Mensch eine Entfernung von über 100 km im Segelflug und 1930 stellte er gleich mehrere Weltrekorde im Segelfliegen auf.
Außerdem gelang ihm über dem Jakobskegel der erste Gebirgssegelflug und 1931 überflog er als erster mit dem Segelflugzeug den Ärmelkanal in beiden Richtungen.
1933 musste Robert Kronfeld emigrieren. In England entwickelte er mit der "Kronfeld-Drone" (ohne h) ein erfolgreiches Leichtflugzeug. Im 2.Weltkrieg wurde er als Pilot der Royal Air Force Staffelführer.

Postkartenmotiv mit Robert Kronfeld


Mildred Kaufmann
US-Fallschirmspringerin und Pilotin. 1930 brach sie mit 46-fachem "looping-the-loop" den Weltrekord der Frauen. Sie gewann mehrere Luftrennen in den USA. Bei einer Flugschau 1932 stürzte sie ab und verunglückte tödlich.


Die berühmte "Tante Ju" verdankt ihre Entwicklung Erich Schatzki. 1926 wurde Erich Schatzki Testpilot der neu gegründeten Lufthansa. Als technischer Direktor der Lufthansa leitete er die Fortentwicklung des einmotorigen Frachtfliegers Ju 52 /1 zum Verkehrsflugzeug mit drei Motoren. Erich Milch, Generaldirektor der Lufthansa und danach Generalfeldmarschall, nannte Erich Schatzki „das technische Genie der Lufthansa“.

Nach Hitlers Machtübernahme emigrierte Erich Schatzki. In den USA arbeitete er an der Entwicklung des berühmtesten Jägers der US Air Force P 47 Thunderboldt.